Rehms: „Werden weiter wachsen“

BZ-Interview mit Heinz-Josef Rehms und Andreas Albrecht

BORKEN. „Rehms Sanitär“ ist jedem Borkener ein Begriff. Dabei wird der geflügelte Begriff dem Unternehmen längst nicht mehr gerecht. „Rehms Building Technology“ ist heute eine Holding mit fast 700 Mitarbeitern, die viel mehr macht als Bad und Heizung. BZ-Redakteur Sven Kauffelt hat mit den Geschäftsführern Heinz-Josef Rehms und Andreas Albrecht über einen weiteren Ausbau an der Siemensstraße und den Pannenflughafen BER gesprochen.

BZ: Herr Rehms, ärgert es Sie, wenn das Unternehmen nach wie vor „Rehms Sanitär“ genannt wird?
Rehms: Nein, gar nicht. Denn das zeigt uns, dass wir in einer langen Firmentradition gesehen werden, die uns auch unheimlich wichtig ist. Josef Rehms hat im Jahr 1939 den Grundstein dafür gelegt. Natürlich ist die Sanitärtechnik heute nur noch ein Teilgeschäft, wenn auch ein wichtiges. Wir sind zu einer Unternehmensgruppe geworden, die die komplette technische Gebäudeausstattung anbietet, und zwar sowohl fürs Eigenheim als auch für große Gebäudekomplexe.
Albrecht: Die Rehms GmbH ist heute Kern einer Gruppe, zu der 14 Firmen an sieben Standorten gehören. Wir können heute bei großen Bauvorhaben die Gesamtverantwortung für die technische Ausstattung übernehmen, vom Wärmesystem bis zum Netzwerkkabel. Hier sehen wir noch ungeheure Potenziale und werden deshalb weiter wachsen.

BZ: In welchen Bereichen?
Albrecht: Wir wollen zum Beispiel im Bereich Sicherheitstechnik und Brandschutz noch Knowhow dazukaufen. Und wir wollen vor allem national wachsen. Unser Ziel ist, in München, Berlin und Frankfurt präsent zu sein. Die Strategie dafür ruht auf zwei Säulen: Zukäufe auf der einen und organisches Wachstum auf der anderen Seite.

BZ: Seit September hat die Holding mit Bregal Unternehmerkapital einen neuen Mehrheitsgesellschafter. Ist das Wachstum vom Kapitalgeber initiiert?
Rehms: Nein, den Kurs haben wir ja schon vorher eingeschlagen. Sehen Sie, wir sind als Dienstleister in unserem Segment mittlerweile die Nummer sieben in Deutschland. Wir arbeiten komplett produktunabhängig und können mit unseren eigenen Planern nahezu jeden Kundenwunsch in hoher Qualität erfüllen. Das können nicht viele. Ich würde es sogar eher andersherum formulieren: Durch die Mehrheitsbeteiligung sind uns neue Türen geöffnet worden in Bereiche, in die wir aus eigener Kraft nur schwer bis gar nicht gekommen wären.

BZ: Für was soll Rehms im Konzert der Großen stehen?
Rehms: Für qualitativ hochwertiges Handwerk. Das ist es, was wir richtig gut können. Im Gegensatz zu anderen Anbietern fügen unsere Mitarbeiter keine Komponenten zusammen, sondern sie finden von der Planung bis zur Ausführung Lösungen, wo andere keine sehen. Das geht nur über eine hochwertige Ausbildung, womit wir auch wieder bei der Tradition sind, für die der Name Rehms steht.
Albrecht: In der Ausund Weiterbildung steht die Branche heute vor größeren Herausforderungen als je zuvor. In der Gebäudetechnik sind heute Lösungen möglich, die vor einigen Jahren noch Science-Fiction waren. Gebäude können heute so vernetzt werden, dass Sensoren erkennen, wer welchen Raum betritt – und so sämtliche technische Einstellungen individualisieren. Es gibt intelligente Heiz- und Belüftungssysteme, berührungslose Toiletten, die den Deckel automatisch öffnen und gleichzeitig Bidet sind. Ich könnte unzählige Beispiele anführen, die für uns eines
gemeinsam haben: Wir müssen sie nicht nur kennen, wir müssen sie beherrschen.

BZ: Das ist der Grund, warum Sie eine Akademie in Borken bauen?
Rehms: Richtig. Für uns ist es mit einer guten Ausbildung, auf die wir höchsten Wert legen, nicht getan. Bei den technischen Herausforderungen, die vor uns liegen, müssen wir alle unsere technischen Mitarbeiter laufend weiterqualifizieren. Und das können externe Bildungsanbieter für uns nicht in der Flexibilität leisten, die wir benötigen. In unserer Akademie werden wir im kommenden Jahr zehn feste Lehrer beschäftigen.

BZ: Ist das nicht ein großes Wagnis?
Albrecht: Nein, es ist eine immens wichtige Investition in unsere Zukunft. Der Großteil unserer Kunden ist wiederkehrend. Sie waren also mit der Qualität, die wir abgeliefert haben, zufrieden. Das müssen wir mindestens halten, und zwar an all unseren Standorten. Wir wollen die Mannschaften unserer Firmen also hier aus- und weiterbilden und dann auf unsere Standorte – jetzige wie künftige – verteilen.

BZ: Gleichzeitig haben Sie, Herr Rehms, angekündigt, die Ausbildungsquote auf 20 Prozent zu erhöhen. Bei 700 Mitarbeitern wären das jetzt schon 140 Azubis. Finden Sie so viel geeigneten Nachwuchs?
Rehms: Mir ist klar, dass das nicht einfach wird. Wir brauchen die Azubis ja auch nicht alle in Borken. Aber an der Siemensstraße sind wir auch schon 350 Leute – Tendenz steigend. Um auf 20 Prozent Auszubildende vom Büro bis zur Werkstatt zu kommen, müssen wir die Jugendlichen früh auf uns aufmerksam machen. Das tun wir, indem wir mit den Schulen zusammenarbeiten und indem wir für alle unsere Mitarbeiter ein gutes Umfeld schaffen.

BZ: Wo soll diese Akademie gebaut werden?
Albrecht: Hier an der Siemensstraße. Gegenüber unseres jetzigen Firmensitzes wollen wir einen Neubau errichten, in dem neben der Akademie auch die Holding ihren Hauptsitz haben wird. Idealerweise wollen wir dort im nächsten Jahr einziehen.

BZ: Für welche Art Kunden stellen Sie sich auf?
Rehms: Unser Hauptaugenmerk liegt sicher auf den Großaufträgen. Wir haben die Gebäudetechnik für die Emsgalerie in Rheine realisiert, ein Volumen von elf Millionen Euro. Wir sind beteiligt an Sporthallen, Möbelhäusern, kürzlich an einem Rechenzentrum für eine Bank, einem Justizzentrum. Genauso aber auch große Wohnbauprojekte. Im Wesentlichen dreht sich der Ansatz darum: Der Kunde sucht jemanden, der die Gesamtverantwortung übernimmt. Er will einen Ansprechpartner für alles und nicht mehrere, die die Verantwortung von einem zum anderen weiterschieben. Das Prinzip haben wir vom Kleinen aufs Große übertragen.

 

| Ihr Kontakt zum Autor:
kauffelt@borkenerzeitung.de
Tel. 02861/944-160

Neue Zentrale: Nach dem Kauf der alten Süßwarenfabrik Rotterdam will die Rehms-Gruppe an der Siemensstraße eine neue Zentrale samt Akademie im Erdgeschoss bauen. Skizze: Giesers Bau
Neue Zentrale: Nach dem Kauf der alten Süßwarenfabrik Rotterdam will die Rehms-Gruppe an der Siemensstraße eine neue Zentrale samt Akademie im Erdgeschoss bauen. Skizze: Giesers Bau

 


Zum Thema: Rehms-Gruppe

Die „Rehms Building Technology“ hat ihren Sitz in Borken. Zur Gruppe gehören derzeit 14 Firmen, darunter die Josef Rehms GmbH an der Siemensstraße. In Borken arbeiten rund die Hälfte der
knapp 700 Mitarbeiter. Laut Homepage belief sich der Umsatz der Gruppe im Jahr 2016 auf 114 Millionen Euro. Im November 2014 hatte der damalige Eigentümer Hans Rehms 90 Prozent der Firmenanteile an die schweizer Investmentgesellschaft Constellation AG verkauft. Im September dieses Jahres hat Bregal Unternehmerkapital die Mehrheit übernommen. Bregal ist Teil einer
Holding, in der die Familie Brenninkmeijer (C&A) ihre Firmenbeteiligungen bündelt. (ska)

PDF mit dem Artikel der Borkener Zeitung